Der «Sweet Spot» liegt dort, wo etwas besonders schön klingt. Beim Musiker und Perkussionisten Fritz Hauser entfaltet er sich gerne in der Berührung mit anderen Kunstgattungen. Im Kunsthaus Baselland zeigt er gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden, warum wir diesen «Punkt» immer wieder suchen.
Basel/Muttenz — Es hat bereits begonnen. Wir schlüpfen durch die Spalten zwischen hohen weissen Quadern. Hinein – aber in was? Die Architektur des Kunsthaus Baselland ist in Fluss geraten. Formen haben sich gelöst und neu angesetzt. Lichtprojektionen tauchen den losen Verbund in Farbe, überziehen seine Oberflächen mit Bildern und schaffen eine schwingende Membran. Ja, es tönt, aber woher? Die Ton- und Geräuschspuren ziehen Kreise. Die Bewegungen nahmen ihre Anfänge vor vierzig Jahren, vor zehn, gerade jetzt. Und morgen entsteht wieder eine neue, dort, wo etwas «hineinfällt» und auf Resonanz stösst. ‹im Kopf› nennt Fritz Hauser (*1953, Basel) diesen Eingangsbereich, den er mit seinen langjährigen Gefährten, dem Architekten Boa Baumann und der Lichtdesignerin Brigitte Dubach, geschaffen hat. Das Gemeinschaftswerk bildet den Nukleus dieser Ausstellung, in der nicht die einzelnen Werke von Fritz Hauser im Zentrum stehen, sondern die Inspiration. Diese, das macht er hier deutlich, kann vieles sein: Die Fotografie einer gefrorenen Wasseroberfläche (Jürgen Wismer), das Gewebe eines Teppichs (lsabel Bürgin), eine Kamerafahrt in der Dämmerung (Patrick Steffen) oder der Gestus einer Bleistiftzeichnung (Reinhard Girke). Zusätzlich zu diesen laufenden Wechselbeziehungen hat der Musiker in Hinblick auf die Ausstellung neue Begegnungen angestossen: Vor einem Jahr begannen er und Sabine Hertig, sich monatlich Bild- und Klangcollagen hin- und herzuschicken. Den Dialog mit Maja Rieder nimmt er direkt in den Ausstellungsräumen auf, wo sie ihre «Trommelbilder» entwickeln wird. Das Werk ‹Havarie›, in dem das vom Wind aufgewühlte Wasser über die Ufer schwappt, ist die erste Zusammenarbeit mit Camenisch|Vetsch. In dieser ganzräumigen Videoinstallation branden Bild und Ton. Doch meist bleiben die Töne und Geräusche in den Ausstellungsräumen leise. Manchmal ist es ein Objekt, das auf einen potenziellen Klang verweist, wie der grosse Gong auf dem Teppichboden des Konzertraums. Auch die Becken, die Fritz Hauser vor Fabia Zindels Farbfächer aufgestellt hat, klingen, ohne dass er sie anschlagen würde. Sie reflektieren das Tageslicht, spiegeln sich in den kreisrunden Farbflächen, finden eine Balance im weichen Baumwollstoff. In diesem Moment ein «Sweet Spot». Doch schon schiebt sich eine Wolke vor die Sonne und alles erscheint anders. Und so bewegen wir uns mit offenen Sinnen weiter in diesem kontinuierlichen Ereignis.
Fritz Hauser – im Spiel der Wechselwirkung
«Fritz Hauser – Sweet Spot»
mit Kulturschaffenden aus Kunst, Architektur, Textildesign und Musik
Kunsthaus Baselland, Muttenz/Basel
14. Januar bis 27. März 2022
kunsthausbaselland.ch
fritzhauser.ch
Publiziert in:
Kunstbulletin 3/2022, S. 88/89.
artlog.net